Was ist ein PACS?

13.07.2012

Ein PACS ist ein digitales System zur Verarbeitung, Verwaltung und Archivierung von medizinischen Bildern und Daten (Picture Archiving and Communication System). Obwohl die Abkürzung bereits das Wort „System“ beinhaltet, ist es durchaus verbreitet vom PACS-System zu sprechen, da sich die Abkürzung zu einem eigenen Begriff entwickelt hat.

 

Erfasst werden Bilddaten aller Medizingeräte, sogenannter Modalitäten, die für bildgebende Verfahren in der medizinischen Diagnostik eingesetzt werden, bspw. aus den Bereichen Röntgen, Sonografie, CT, MRT oder Endoskopie. Die Daten werden von den Modalitäten an einen zentralen PACS-Server gesendet, dort gespeichert und wiederum an Befundungs-, Betrachtungs- und Nachverarbeitungsplätzen zur Verfügung gestellt.

 

Das PACS kann sich auf eine einzelne medizinische Abteilung (Kardiologie, Radiologie jeweils mit getrennter Datenbank) oder auch auf das gesamte Krankenhaus erstrecken. Klassisch wurde ein PACS in der radiologischen Abteilung in Kombination mit einem RIS eingesetzt (PACS I) und zunehmend für die bildgebenden Geräte in den anderen Abteilungen von der Kardiologie über die Endoskopie bis hin zur Foto- und Wunddokumentation (PACS II). Inzwischen erstrecken sich die Systeme über die Grenzen eines Krankenhauses durch Einbeziehung der Telemedizin hinaus und binden nachbehandelnde Einheiten wie Chirurgien und REHA sowie befundende Praxen und Homeoffices mit ein (PACS III).

 

Die Zusammenführung von einzelnen Modalitäten und dem PACS erfolgt über das international standardisierte Datenformat DICOM. DICOM definiert ein klares Format zum Austausch der Daten zwischen PACS und Modalitäten und übt damit die Funktion einer Schnittstelle aus. Aktuelle Modalitäten liefern Bilddaten gemäß dem DICOM-3 Standard.
Für die Konsistenz des Datenbestandes im PACS ist die Kommunikation mit dem Krankenhaus-Informationssystem (KIS), dem Radiologieinformationssystem (RIS) und anderer Abteilungs-Informationssysteme (AIS) wichtig, da diese eindeutige Informationen über den Patienten für die Modalitäten bereit stellen. Durch Einsatz des Standards HL7 wird die Kommunikation von AIS/RIS/KIS mit dem PACS gewährleistet.

 

Die Speicherung der Daten erfolgt in einem Kurzzeitspeicher und die Archivierung in einem Langzeitarchiv. Besondere Anforderungen werden an das Langzeitarchiv gestellt. Auf Jahrzehnte angelegt müssen die enormen Datenmengen gespeichert werden und jederzeit abrufbar sein. Dabei dürfen die Daten u.a. aufgrund von Gesetzen nicht veränderbar sein oder verloren gehen können.
Besonderes Augenmerk gilt dem Worst-Case-Szenario des Systemausfalls. Dabei unterscheidet man zwischen der Hochverfügbarkeit und der Hochsicherheit. Während die Hochverfügbarkeit besonders wegen der hohen Kosten und der Möglichkeit der Zwischenspeicherung an den Modalitäten und Workstations zumindest bei kleineren Einrichtungen verzichtbar ist, darf es keine Kompromisse bei der Datensicherheit geben. Daher werden die Daten i.d.R. zunächst in einem Kurzzeitspeicher mit redundanten Festplatten (RAID) gespeichert und anschließend in ein bis zwei Langzeitarchiven archiviert, die sich in verschiedenen Brandabschnitten (Brandschutz) oder Orten (Katastrophenschutz) befinden.

 

Im Vergleich zur analogen Bilddokumentation ermöglicht die digitale Dokumentation eine deutliche Steigerung von Effizienz und Funktionalität von Arbeitsabläufen und -ergebnissen. Durch gleichzeitige Verfügbarkeit von Bildern an verschiedenen Orten können Betrachtungen und Befundungen räumlich und zeitlich flexibel gestaltet und damit – oft lebensrettende – Entscheidungen deutlich verkürzt werden. Neben Zeit- und Materialersparnis in der Datenverwaltung stellt die über Jahre gleich bleibende Bildqualität einen großen Vorteil dar. In Schnittbildverfahren ergeben sich durch Zusatzsoftware erweiterte Möglichkeiten für Betrachtung und Befundung, indem Schnittserien als Animation, 3-D-Modell oder MPR oder Bewegtaufnahmen dargestellt werden können. Die Häufigkeit von Falsch- und Wiederholungsaufnahmen wird reduziert.

 

Die Wirtschaftlichkeit und der Return of Investment (ROI) ergeben sich aus dem Wegfall von Filmmaterial und dem Einkauf sowie der Entsorgung von Entwicklungschemikalien. Zu beachten sei dabei auch der Umweltaspekt. Der Raumbedarf und der Aufwand für die Archivierung reduzieren sich etwa auf ein Zehntel. Nicht zu vernachlässigen sind auch die postalischen und logistischen Kosten bei dem Filmtransport. Durch die verbesserte Kommunikation kann die Patientenverweildauer verkürzt werden.